Neiddebatte

Reinhard Ringwald Sonntag, 27. September 2020 von Reinhard Ringwald

Schier abgedroschene Phrasen der Neider in den Tarifverhandlungen

Neiddebatte leise aber hörbar

Wie vor und während jeder Tarifverhandlung für die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes beginnen leise aber hörbar die Neiddebatten. Gerade jetzt in der Corona-Krise: sicherer Job, sicheres Einkommen, brechen sich bei der Arbeit nichts ab und so weiter.

Was soll das?

Das sind die schier abgedroschenen Phrasen der Neider. In guten wirtschaftlichen Zeiten liest man indes keine Neiddebatten der Beschäftigten des öffentlichen Dienstes, weil in der freien Wirtschaft besser verdient wird, weniger Stunden für das Einkommen gearbeitet wird oder mal eben tausende von Euro an Prämien bezahlt werden. Ich kann es nicht mehr hören und nicht mehr lesen. Sind wir ein Land der Neider geworden? Es hat doch jeder selbst in der Hand, was er aus seinem Leben macht, oder? Und wenn ich mit etwas persönlichem nicht einverstanden bin, liegt es an mir, dies entweder zu akzeptieren oder es zu ändern. Also, was soll die ewige Neiddebatte?

Erfreulich, wenn ein Journalist, wie jüngst in der Badischen Zeitung gelesen, wertschätzende Worte für den öffentlichen Dienst übrig hat:

„Mitten in der Pandemie könne man doch nicht streiken, schon gar nicht im öffentlichen Dienst – sagen die Arbeitgeber in Bund und Kommunen. Sie stützen sich auf eine eigentümliche Logik. Schließlich waren sie es, die zwei Verhandlungsrunden haben verstreichen lassen, ohne ein belastbares Angebot vorzulegen. Damit haben sie, wie es eigentlich der Corona-Krise angemessen wäre, eine geräuschlose Turbo-Einigung verhindert. Die Arbeitgeber haben Verdi & Co in den Warnstreik gezwungen. Auch sagen die Arbeitgeber, sie hätten wegen der angespannten Haushaltslage nichts zu verteilen. Dabei hat der Staat zuletzt einen nach dem anderen milliardenschweren Fördertopf ersonnen, um die Folgen des Lockdowns für möglichst viele abzufedern. Und nun soll für eine reguläre Tarifrunde nicht mehr genug Geld da sein ausgerechnet für jene Beschäftigte vieler Branchen, die man gern schwülstig als Corona-Helden glorifiziert und von Balkonen beklatscht, die aber weniger mit Heldentum als schlicht mit Arbeit dazu beigetragen haben, dass dieses Land gut durch die Krise kommt? Man täte gut daran, die einzigartige deutsche Tarifautonomie samt moderaten Arbeitskämpfen als tragenden Pfeiler eines funktionierenden Wirtschaftsmodells wertzuschätzen. Das sollte auch der bedenken, der sich bald ärgert, dass der Müll mal nicht abgeholt wird oder die Kita wieder einen Tag zu ist.“

Danke Ronny Gert Bürckholdt für diese wunderbare Zeilen, die den Sachverhalt besser hätten nicht beschreiben können.

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